Kenn(d)erspiel des Jahres

Natürlich wurden neben den Nominierungen zum Spiel des Jahres auch die des Kennerspiels des Jahres bekannt gegeben. Zudem hat die Jury einen Sonderpreis vergeben. Dieser hat einen grauen Pöppel bekommen und taucht deswegen auch hier auf. Und zum Schluss werfe ich noch einen ganz kurzen Blick auf das Kinderspiel des Jahres.

Die Nominierten

Nominiert wurden auch diesmal wieder drei Spiele: Die Quacksalber von Quedlinburg (Autor: Wolfgang Warsch, Verlag: Schmidt Spiele), Ganz schön clever (Wolfgang Warsch, Schmidt Spiele) und Heaven & Ale (Michael Kiesling & Andreas Schmidt, eggertspiele). Dabei fällt auf, dass die Autoren Wolfgang Warsch und Michael Kiesling auch schon beim Spiel des Jahres nominiert waren. Von Wolfgang Warsch wurden insgesamt 3 seiner 4 Veröffentlichungen von der Jury nominiert! Na wenn das mal kein Grund zum feiern war. Herzlichen Glückwunsch!

Die Quacksalber von Quedlinburg sind dabei ein klassisches Push-your-Luck-Spiel, das mit dem relativ hohen Glücksanteil sicherlich eigentlich eher in den Familienbereich gehört. Die variablen Regeln für die verschiedenen Zutaten, die man seinem Gebräu hinzufügt machen den Einstieg jedoch nicht ganz so einfach und heben das Spiel gerade so über die anthrazite Linie. Das Spiel kann sich auf jeden Fall berechtigte Hoffnungen auf den Thron unter den Push-your-Luck-Spielen machen und ist völlig zurecht nominiert. Wer beim Kennerspiel jedoch ein Spiel mit viel Strategie und nur wenig Glück erwartet sollte aufpassen. Den Weg zu etwas anspruchsvolleren Spielen können die Quacksalber von Quedlinburg einem Gelegenheitsspieler aber durchaus ebnen.

Das zweite Spiel Ganz schön clever ist ein Roll-and-Write-Spiel, es wird also gewürfelt und dann etwas auf einem Block aufgeschrieben. Spiele dieser Art sind klassischerweise auch ziemlich glückslastig und nicht im Kennerbereich zu finden. Hier hat Wolfgang Warsch jedoch einige Mechanismen clever miteinander verzahnt, die man erstmal durchblicken muss. Dennoch reicht es auch bei Ganz schön clever meiner Meinung nach gerade so für den Kennerbereich. Das Spiel selbst ist dabei tatsächlich ziemlich genial. Man fühlt sich als Spieler jedenfalls sofort herausgefordert es besser zu machen und die Lernkurve ist gerade am Anfang ziemlich steil. Ein wirklich cleveres Würfelspiel!

Das dritte Spiel auf der Liste ist Heaven & Ale. Dass ich von dem Spiel begeistert bin, habe ich ja schon in meiner Rezension deutlich gemacht. Mit einer Nominierung hätte ich allerdings nicht gerechnet, da ich das Spiel vom Anspruch her etwas über Kenner-Niveau eingeschätzt hätte. Hauptgrund ist, dass hier die Möglichkeit besteht, dass man sich als Spieler ohne Erfahrung ziemlich schnell in Aus manövrieren kann und dann kaum Möglichkeiten hat wieder zurück ins Spiel zu kommen. Minuspunkte in der Erstpartie sind jedenfalls möglich. Trotzdem freut es mich extrem, dass das Spiel nominiert wurde und ich würde es auch jedem empfehlen, der anspruchsvollere Spiele kennenlernen will. Lasst euch das Spiel jedoch von einem erfahrenen Spieler erklären und euch ein bis zwei taktische Hinweise geben, damit ihr von eurer ersten Partie nicht abgeschreckt werdet.

 

Die Empfohlenen

Empfohlen wurden von der Jury auf der Kennerliste diesmal nur 2 Spiele. Dies sind Klong! (Paul Dennen, Schwerkraft) und Pioneers (Emanuele Ornella, Queen Games).

Ich war etwas überrascht, dass es diesmal so wenige Spiele auf die Empfehlungsliste geschafft haben. Zudem sind es zwei Spiele, die mich persönlich nicht endgültig überzeugt haben. Klong! ist ein Deckbuilder der mir zwar Spaß gemacht hat, aber schon nach wenigen Partien gefühlt nichts Neues mehr geboten hat. Auch Pioneers fand ich eher durchschnittlich, wobei ich das zu wenig gespielt habe um es abschließend beurteilen zu können.

 

Die Sonderbehandelten

Überraschend hat die Jury auch noch einen Sonderpreis vergeben. Gewonnen – und damit als einziges Spiel bereits Preisträger – hat Pandemic Legacy: Season 2 (Matt Leacock & Rob Daviau, Z-Man).

GAusgezeichnet wurde das Spiel im Prinzip ein wenig als “Lebenswerk” für die gesamte Pandemie-Reihe. Pandemie und Pandemic Legacy: Season 1 wurden ja ihrer Zeit nominiert, konnten aber nicht gewinnen. Dieses Risiko wollte man wohl diesmal nicht eingehen. Ich selbst kann das Spiel leider nicht beurteilen, da ich bei Legacy-Spielen dank fehlender Gruppe ziemlich zurück hänge. Heiß darauf bin ich allerdings schon lange. Also falls jemand aus dem Raum Hannover Lust hat noch mit Season 1 einzusteigen, lasst es mich wissen 😉

 

Die Vergessenen

Bei der Kennerliste war die Empfehlungliste leider ziemlich kurz. Daher fehlt mir hier am Ende doch das ein oder andere Spiel. Besonders trifft das auf Rajas of the Ganges zu. Vielleicht sogar eine Nominierung, zumindest aber die Empfehlungsliste hätte das Spiel mit seinen gegenläufigen Punkte-Leisten meiner Meinung nach verdient gehabt. Auch Santa Maria hätte ich mir durchaus vorstellen können. Es hat zwar eine schreckliche Grafik, die Mechanik mit den Würfeln die Zeilen und Spalten auf dem eigenen Spielplan aktivieren ist dagegen sehr interessant.

Schade fand ich auch, dass es in diesem Jahr kein klassisches Expertenspiel – die ja für eine Nominierung daher nicht in Frage kommen – auf die Empfehlungsliste geschafft hat. Zugegeben: DAS überragende Expertenspiel gab es in diesem Jahr nicht, aber z.B. Altiplano hat mir wirklich gut gefallen.

Erwünscht, aber nicht wirklich erwartet, hätte ich  Rob’n’Run auf der Liste. Trotz der kindlichen Grafik ist es ein anspruchsvolles Spiel irgendwo zwischen Hanabi und Mastermind, das zwar in einigen Gruppen garnicht, in anderen dafür aber sehr gut ankam. Hier kann man als Gruppe auch ziemlich schnell dazu lernen. Und mit zunehmender Spielstärke stieg auch die Begeisgterung.

 

Der Abschlusskommentar

Wie bereits im letzen Jahr driften die Spiele die zum Kennerspiel des Jahres nominiert sind vom Anspruch her ziemlich weit auseinander. Zwei Spiele hätten durchaus auch beim roten Pöppel nominiert sein können, das letzte wäre in anderen Jahrgängen vielleicht auch als Expertenspiel “aussortiert” worden. Die Jury beweist mal wieder, dass sie sich den von ihr erfundenen Begriff des Kenners nicht wegnehmen lässt und für sich auch gerne mal etwas umdefiniert. Vielleicht wären für den Kunden im Laden aber verlässlichere Kriterien besser. Während man sich zur Anfangszeit mit Spielen wie 7 Wonders, Village oder Istanbul eigentlich immer darauf verlassen konnte Strategie-Spiele mit einfachem Einstieg zu bekommen war das in den letzten Jahren nicht immer so. Allerdings muss man auch zugeben, dass die klassischen Kennerspiele in den letzten beiden Jahren auch kaum auf dem Markt vertreten waren.

Abgesehen davon finde ich die nominierten Spiele aber alle gut. Die Nominierung ist in allen Fällen auf jeden Fall gerechtfertigt. Mein persönlicher Favorit ist in jedem Fall Heaven & Ale. Das Rennen ist in dieser Kategorie aber für mich noch ziemlich offen und ich könnte mir alle 3 Spiele gut als Kennerspiel des Jahres 2018 vorstellen.

 

Kinder? Kenner? So What…

Da ich mich im Kinderspiel des Jahres Bereich leider nicht wirklich auskenne und diesmal auch keinen Glückstreffer wie im letzten Jahr mit IceCool hatte, kann ich euch zu den nomierten und empfohlenen Spielen nichts sagen. Dennoch möchte ich die nominierten und empfohlenen Spiele – die sicher alle toll sind – nicht unerwähnt lassen.

Nominiert wurden: Emojito! (Urtis Sulinskas, Huch!), Funkelschatz (Lena und Günter Burkhardt, HABA) und Panic Mansion (Daniel Skjold Pedersen & Asger Sams Granerud, Blue Orange).

Auf die Empfehlungsliste geschafft haben es: Die Legende des Wendigo (Christian Lemay, Scorpion Masque), Dino World (Marco Pranzo, Virgignio Gigli & Flaminia Brasini, HABA), Rhino Hero Super Battle (Scott Frisco & Steven Strumpf, HABA), SOS Dino (Ludovic Maublanc & Theo Riviere, Loki) und Speed Colors (Erwan Morin, Game Factory).

Ein Kommentar zu “Kenn(d)erspiel des Jahres

  1. Ich finde Heaven & Ale muss gewinnen, die anderen beiden sind für mich absolut keine Kennerspiele. Finde schade, dass z.B. Calimala nicht bedacht wurde.

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