SPIEL ’21 Tag 2

Auch am zweiten Tag der SPIEL ’21 konnte ich wieder einige Spiele ausprobieren von denen ich hier berichten will. Für mich war der Freitag in diesem Jahr dann auch bereits der letzte Messetag. Daher gibt es im Anschluss auch mein kurzes Messefazit.

Gestartet habe ich den Tag mit einer Testpartie des Spiels auf das ich mich schon in meiner Top 30 am meisten gefreut habe: Corrosion. Hier wird ein Engine-Builder mit einer Art Mini-Stichspiel kombiniert. Jede ausgespielte Aktionskarte der Mitpieler*innen können wir mit eine höheren Karte gleicher Farbe kopieren. Dadurch können wir eine eher schwächere Aktion sofort nutzen, verzichten aber auf eine starke Aktion die wir später selbst ausspielen könnten. Ein interessantes Dilemma, das mir sehr gut gefallen hat. Zudem bauen wir unsere Engine immer nur für einen kurzen Zeitraum auf. Fast alles was wir im Spiel erwirtschaften ist nach spätestens 4 Drehungen unseres Aktionsrades wieder verloren. Und dieses Rad müssen wir immer drehen, wenn wir keine Handkarten mehr haben. Corrosion hat mich beim Anspielen schon ziemlich überzeugen könne. Wegen der immer wieder neu anzufangenden Mini-Engines bin ich allerdings sehr gespannt ob der Mechanismus das Spiel auch über eine komplette Partie trägt oder ob es sich dann sehr repititiv anfühlt. Corrosion hat es leider wie bereits im Vorfeld angekündigt nur als Demo zur Messe geschafft, ab November soll das Spiel jedoch im Handel sein.

Nach der Corrosion-Partie blieb ich direkt am Deep Print Games Stand um Rorschach auszuprobieren. Das Assoziationsspiel für 2 Teams arbeitet mit den aus dem gleichnamigen Psychologie-Test bekannten Tintenklecks-Bildern. Wir hatten auf jeden Fall jede Menge Spaß am Tisch und es wurde laut gelacht. Manchmal fühlte sich das Spiel aber dann doch recht willkürlich an. Insgesamt konnte mich Rorschach nicht 100% überzeugen und fiel eher in die Kategorie “okay”.

Die Game Brewer Neuheit Stroganov hatte ich mir gestern schon kurz erklären lassen und war so neugierig, dass ich sie unbedingt ausprobieren wollte. Man könnte das Spiel wahrscheinlich am ehesten als Worker-Movement-Spiel beschreiben. Auf den ersten Blick sieht es mit seinen vielen Symbolen wahnsinnig komplex aus. Wenn man die Ikonographie einmal verstanden hat ist es aber eigentlich gar nicht so schwer. In jedem Zug bewegen wir unseren Arbeiter ein bis zwei Felder vorwärts und können an dem Ort mehrere Aktionen ausführen. Zunächst eine einfache Aktion, die uns im Wesentlichen Ressourcen bringt, anschließend entweder eine weitere dieser einfachen oder eine der stärkeren Aktionen. Diese starken Aktionen beziehen sich immer auf den Ort an dem wir stehen und wir können dort z.B. neue Plättchen erweben, unserer Jurten errichten oder Auftragskarten mit Wünschen des Zaren bekommen. Insgesamt hat mir das Anspielen auf jeden Fall Lust gemacht, Stroganov mal in einer kompletten Partie auszuprobieren. Das wird leider noch etwas dauern, da das Spiel bereits ausverkauft war.

Auch ein Reiner Knizia Spiel durfte am zweiten Tag nicht fehlen. Und im Gegensatz zu Witchstone am Vortag, hat mich Mille Fiori durchweg positiv überrascht. Über mehrere Runden draften wir in diesem Spiel Karten und können mit jeder Karte einen unserer Glassteine in Spielerfarbe auf dem Spielplan einsetzen. In jedem Spielbereich funktioniert die Wertung etwas anders und oft muss man auch den Mitspieler*innen Punkte schenken, damit man selbst punkten kann. Das macht das Spiel ziemlich interaktiv. Zudem gibt es auch einige Möglichkeiten an Bonuskarten zu kommen, so dass auch Kombo-Effekte möglich sind. So fühlt sich Mille Fiori immer ziemlich belohnend an. Der schnelle Einstieg, das positive Spielgefühl und die vielen Punktemöglichkeiten haben mich in meiner Testpartie überzeugt. Leider war auch Mille Fiori bereits ausverkauft und ich konnte das Spiel nicht direkt mitnehmen.

Zum Abschluss der Messe gab es für mich dann noch ein kleines Würfelspiel beim Nürnberger Spielkartenverlag. Splitter ist der Nachfolger von Knister und Knaster. Wie in den Vorgängern müssen alle Spieler die gewürfelten Zahlen auf ihrem eigenen Block eintragen. In diesem Fall muss man ein Würfelpärchen immer in Felder eintragen die sich im Bezug auf eine mittlere Spiegelachse gegenüber liegen. Wir versuchen dabei jede 1 einzeln, alle 2en in Pärchen, alle 3er in Dreiergruppen, usw. anzuordnen. Wer das in ca. 15-20 Minuten am besten macht, wird das Spiel gewinnen. Splitter hat mir als kleines Absackerspiel auf jeden Fall Spaß gemacht und wird in nächster Zeit sicher das ein oder andere Mal auf den Tisch kommen.

Mein Highlight des Tages: Corrosion
Meine Überraschung des Tages: Mille Fiori

Leider waren am Freitag viele Spiele schon ausverkauft. Zahlreiche Spiele hatten es wegen der weltweiten Logistik-Situation ja gar nicht erst nach Essen geschafft haben. Nun waren an vielen Ständen auch die wenigen eingeflogenen Exemplare, die es am Donnerstag noch gab, vergriffen. So war es schwierig Spiele erst auszuprobieren und sich anschließend zu entscheiden welche man kaufen will. Dennoch gab es natürlich genügend Auswahl und Möglichkeiten den Geldbeutel zu erleichtern. Die anstehenden Spielerunden sind also gesichert und es ist vielleicht auch nicht schlecht, dass die weiteren Neuheiten in den kommenden Wochen nach und nach dazu kommen werden.

Dennoch hat die Situation auch dazu geführt, dass ich nach 2 Messetagen gefühlt auch alles wichtige gesehen hatte. Man hat schon deutlich gemerkt, dass weniger Verlage da waren als noch 2019. In nahezu allen Hallen gab es abgesperrte Bereiche, die nicht belegt waren. Zudem fehlte im Vergleich zu 2019 die komplette Halle 4.

Mein Messefazit fällt tozdem insgesamt absolut positiv aus. Es war schön nach dem Ausfall der Messe im letzten Jahr und 1,5 Jahren ohne jegliche Brettspiel-Veranstaltungen mal wieder das Gefühl einer Spielemesse zu erleben. Leute treffen, Neuheiten entdecken und Spiele spielen ist einfach ein tolles Gesamtpaket. Auch das Verhalten der Messe-Gäste empfand ich als durchweg positiv. Alle haben sich an die Hygieneregeln gehalten. Organisatiorisch hat ebenso alles gut geklappt. Obwohl es am Freitag schon etwas voller wurde als am Donnerstag, hatte man immer das Gefühl es gibt genug Platz um Menschenaufläufen aus dem Weg zu gehen. Selbst am Einlass gab es kein Gedränge. Und zu guter Letzt haben mir auch die ausprobierten Spiele weitestgehend gefallen und ich freue mich sehr darauf diese nun zu spielen.

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